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Perücke – so alt wie die Zivilisation

Perücken, wie die gebräuchliche Bezeichnung für Zweithaarfrisuren aus Echt- oder Kunsthaaren lautet, besitzen eine mehrere Jahrtausende umfassende Geschichte. Von Anfang an dienen sie zwei verschiedenen Zwecken: Zum einen ersetzen sie die natürliche Kopfbehaarung, zum anderen erfüllen sie die Funktion eines exklusiven Kopfschmucks. Darüber hinaus besitzt das Tragen von Perücken häufig sogar eine kultische oder religiöse Bedeutung.

Die Anfänge in der Antike

Bereits in der ägyptischen Hochkultur spielten Perücken eine bedeutende Rolle. Sie waren den höheren Schichten vorbehalten und galten als Ausdruck von Reichtum und Macht. Die ägyptische Oberschicht trug bevorzugt zu kunstvollen Frisuren gestaltete Perücken aus echtem Menschenhaar. Bei verschiedenen Ausgrabungen fanden Archäologen allerdings auch Modelle aus Tierhaaren, Wolle und anderen natürlichen Materialien. Die Farbgebung der ägyptischen Perücken deckte eine breite Skala ab. Blonde beziehungsweise goldene Haare waren dabei besonders gefragt.

Das Tragen von Perücken war in der griechischen Antike weniger verbreitet als in Ägypten. Dennoch schätzen reiche Griechen sie als ausdrucksstarkes Statussymbol. Auch in dieser Epoche der Menschheitsgeschichte wurden kunstvolle Lockenfrisuren und helle Haare als besonders edel angesehen. Während der Blütezeit der römischen Antike übernahmen Perücken zunehmend die Aufgabe von Haarersatz. Zu diesem Zweck sollten sie möglichst natürlich wirken.

Vom Mittelalter bis zur Neuzeit

Aus religiösen Gründen war die Perücke im Mittelalter weitgehend verpönt. Dies änderte sich erst wieder mit der Renaissance. Damen verwendeten zunächst Haarteile, um ihre Frisuren fülliger und prachtvoller zu gestalten. Schließlich kamen Perücken für Männer und Frauen mehr und mehr in Mode. Diese Entwicklung fand ihren Höhepunkt im Barock und Rokoko. Im Zeitalter des Absolutismus trugen Herrscher und hochgestellte Persönlichkeiten eine Allongeperücke. Dieses Perückenmodell besteht aus sehr vollen, grauen oder weißen Löckchen, die bis weit über die Schultern auf die Brust reichten. Mit der Aufklärung verloren diese kunstvollen Perücken an Beliebtheit. Seit dieser Zeit erfüllen Zweithaarfrisuren mit wenigen Ausnahmen nur noch den Zweck, fehlendes Kopfhaar zu ersetzen. Nur während der Hippie- und Flower-Power-Zeit der späten 60er und frühen 70er Jahre kam es zu einer kleinen Renaissance der Perücke. Damals waren vor allem Modelle im Afro-Look angesagt.

Perücken in besonderem Bedeutungszusammenhang

Männliche und weibliche Richter in Großbritannien tragen noch heute kunstvolle Allongeperücken zu ihren Roben, um ihren amtlichen Status zu zeigen. Im Judentum ist es bei verschiedenen Gruppierungen, insbesondere bei den Aschkenasim, üblich, dass verheiratete Frauen ihre natürlichen Haare unter einer Perücke verbergen. Außerdem tragen Kinder, Jugendliche und Erwachsene weltweit Zweithaarfrisuren, um sich zu verkleiden. Zu Karneval oder Halloween werden Perückenmodelle in vielen verschiedenen Designs angeboten. Neben realistisch wirkenden Zweithaarfrisuren werden auch Phantasieperücken in extravaganten Farben und mit außergewöhnlichen Frisuren nachgefragt. Im Theater dienen Perücken der unkomplizierten Verwandlung von Schauspielern in die darzustellenden Charaktere.

Verwendung und Machart von Perücken in der Gegenwart

Heute erfreuen sich Zweithaarfrisuren bei Kindern, Frauen und Männern großer Beliebtheit, um eine unzureichende Kopfbehaarung zu kaschieren. Insbesondere bei krankheitsbedingtem Haarausfall, wie zum Beispiel bei einer Chemotherapie, oder bei Alopecia areata leisten Perücken einen wertvollen Beitrag zum allgemeinen Wohlbefinden.

Haarausfall bei Chemotherapie
Haarausfall bei Chemotherapie by pixabay.com

Als Material für die Herstellung von modernen Perücken finden Echthaar und Kunsthaar Verwendung. Dabei ist zwischen echten Haaren aus asiatischer und europäischer Provenienz zu unterscheiden. Aufgrund seiner Struktur und Pflegeeigenschaften ist das Haar von Inderinnen besonders gefragt. Perücken aus Echthaar lassen sich wie die natürlichen Haare waschen, föhnen und stylen. Sogar das Färben dieser Zweithaarfrisuren ist ohne Probleme möglich. Exklusives Kunsthaar überzeugt heute mit einer weitgehend natürlichen Anmutung und erweist sich als besonders leicht. In der Regel ist der Preis für Perücken aus Echthaar, die eine deutlich längere Haltbarkeit aufweisen, wesentlich höher als der für Kunsthaarmodelle.

Heutzutage sind verschiedene Macharten für Perücken üblich. Sie unterscheiden sich hinsichtlich der Befestigung der Haare am Kopfteil der Perücke, der sogenannten Montur. Die Produktion von Tressen-Modellen erfolgt maschinell. Dabei werden die Haare auf dünnen Schnüren aufgenäht, die parallel über das gesamte Kopfteil laufen. Monofilament-Perücken wirken besonders natürlich, weil hier die Haarsträhne einzeln in ein hautähnlich aussehendes Stoffgewebe eingeknüpft wird. Ein noch perfekteres Ergebnis lässt sich durch das Einsetzen eines Filmstreifens am Haaransatz erzielen. In diesen transparenten Stoff werden ebenfalls Haarsträhnen per Hand eingeknüpft. Die Anpassung von hochwertigen Perücken an den Träger erfolgt durch das Einschneiden der Kunst- oder Echthaare in Fachgeschäften.

Aschkenasim – Perücke

Das jüdische Gesetz verlangt, dass verheiratete, geschiedene oder verwitwete Frauen ihr Haar verbergen.

Daher tragen vor allem ultraorthodoxe jüdische Frauen der Aschkenasim aus modischen Gründen statt einer anderen Kopfbedeckung auch eine Perücke, im Jiddischen Scheitel genannt. Sephardim dürfen dies nicht.

Der sephardischer Großrabbiner Ovadja Josef hat dies verboten, weil sie wie Echthaar aussehen und den Mann nach wie vor auf unsittliche Gedanken bringen können.

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